Von der Kunst ein Kind zu erziehen

Heute widme ich mich dem Thema: „Erziehung“. Es ist bei mir so präsent, wie die Luft zum atmen. Doch erziehe ich tatsächlich oder lebe ich „nur“ vor? Ist Erziehung wichtig? Was kann Erziehung mit einem Kind machen? Was bedeutet es überhaupt ein Kind zu erziehen? Gibt es eine gute und eine schlechte Erziehung?

Es gibt eine Vielzahl von versuchten Definitionen. Zum Beispiel die von
„Klaus Hurrelmann“
(Mut zur demokratischen Erziehung, in:
Pädagogik 7 bis 8/94, Seite 13)

„Erziehung ist die soziale Interaktion zwischen Menschen, bei der ein
Erwachsener planvoll und zielgerichtet versucht, bei einem Kind
unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und der persönlichen
Eigenart des Kindes erwünschtes Verhalten zu entfalten oder zu
stärken. Erziehung ist ein Bestandteil des umfassenden
Sozialisationsprozesses; der Bestandteil nämlich, bei dem von
Erwachsenen versucht wird, bewusst in den Prozess der Persönlich‐
keitsentwicklung von Kindern einzugreifen ‐ mit dem Ziel, sie zu
selbstständigen, leistungsfähigen und verantwortungsvollen
Menschen zu bilden.“

Diese Definition ist rühmlich, aber trifft nicht ganz die Komplexität des Erziehungsprozesses. Ich denke dabei nur an all Jene Kinder, deren Bedürfnisse und persönlichen Eigenarten nicht berücksichtigt werden. Jene Kinder, welche gebrochen werden, durch den machtvollen Willen Erwachsener. Erziehung kann sehr wohl auch schaden. Und muss man tatsächlich immer in die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern eingreifen?

Um euch meine Sichtweise spürbar zu machen, möchte ich euch sehr gerne in meine ganz persönliche Geschichte einladen.

Beginnend mit einem Zitat von „Ignatius von Antiochia“ :

“ Man erzieht durch das, was man sagt,
mehr noch durch das, was man tut,
am meisten durch das, was man ist.“

Da war ich nun. Mutter eines kleinen Sohnes. Voller Liebe umhüllte ich ihn mit Fürsorglichkeit und Schutz. Doch auch Ängste, Wut und Hilflosigkeit waren meine Begleiter. Von Außen drangen ständig gut gemeinte Ratschläge an mein Ohr. Was ich tun soll und was eben nicht. Ich war noch zu Unsicher, um gestärkt meinen ganz eigenen Weg zu gehen.Jede Art von Unsicherheit, machte sich sofort im Verhalten meines Sohnes bemerkbar. Wie oft saß ich da und heulte voller Selbstmitleid in mein Mutterherz hinein. Es kam der Punkt in meinem Leben, als ich einen wichtigen Entschluss fasste. Ich zog in eine andere Stadt und lebte wenige Zeit später auch Allein mit meinem Sohn. Keine fremden Stimmen drangen nun mehr in unserem Schutzraum hinein. Ich begann mich und meine Vorstellungen vom Leben zu reflektieren. Es war ein schwieriger aber so wertvoller Prozess.
Ich musste nur fühlen, denn dann spürte ich, was für mich richtig oder falsch war. Die Beziehung zu meinem Sohn wurde immer besser. Wutanfälle versackten im Keim. Und dies ist für mich der Schlüssel einer guten „Erziehung“. Erst, wenn ich es schaffe, reflektiert und authentisch zu sein, kann ich für mein Kind tatsächlich DA SEIN. Authentisch zu sein bedeutet für mich, Gefühle zu leben. Wenn ich müde bin, gestresst bin, wütend bin, dann darf ich das sein,ohne das Kind dabei zu „verletzen“. Seelisch zu verletzen, denn dies passiert noch viel zu oft. Ich kann meinem Kind, je nach Alter, sagen, wie es mir jetzt geht und noch wichtiger WARUM es mir jetzt so geht. Viel zu schnell passiert es, das Kinder die Schuld unterbewusst bei sich suchen. Doch wenn man sagt: “ Ich bin gerade total gestresst, weil meine Arbeit heute so anstrengend war.“, dann darf das Kind Abstand zu den momentanen Gefühlen des Anderen nehmen. Und dann sich selbst gut zu versorgen, damit die eigenen Bedürfnisse nicht vom Kind erfüllt werden müssen. Hineinzuspüren, was ich selbst tun kann, damit es mir besser geht. Wenn mein Sohn im Bett lag, habe ich dann zum Beispiel ein Wannenbad mit Kerzenlicht genossen oder ich habe gemalt, getanzt mit meinem MP3Player im Ohr. Ich habe mich selbst gut versorgt, damit ich am nächsten Morgen wieder für meinen Sohn da sein konnte.
Nun wird mein Sohn 11 Jahre und ich erlebe ihn als empathischen, liebevollen und auch kritischen Menschen. Sicherlich dringen immer noch Ratschläge zu uns durch, aber dagegen weiß ich nun endlich einen „Gegen-Rat“. “ Du bist Du und Ich bin Ich – Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur 1000 verschiedene Möglichkeiten zu leben. Lass mich meinen Weg mit all den vermeintlichen Fehlern selbst beschreiten, denn nur dann bin ich auch in der Lage zu lernen und zu verstehen.“

Nun bin ich noch einmal Mutter einer zauberhaften Tochter geworden und werde höchstwahrscheinlich wieder einige Momente der Ratlosigkeit spüren. Denn sie ist eine ganz eigene Persönlichkeit. Es gibt kein Patentrezept für die Erziehung. Aber was ich zurückblickend sehe ist, das mich auch unterbewusst mein Sohn erzogen hat. Er brachte mir durch seine „Wutanfälle“, “ seine Tränen“ bei, genauer hinzuschauen, woran dies liegt und was ich verändern kann, damit es uns wieder besser geht. Kinder werden so „rein“ und perfekt in diese Welt geboren, doch da sie in unserer Gesellschaft leben müssen, benötigt man die sogenannte Erziehung. Und Jede Gesellschaft hat ihre ganz Eigene. Erziehung ist Wichtig, um sich zurechtzufinden, aber noch viel wichtiger ist die gesunde und liebevolle Bindung zu sich selbst und seinem Kind.

„Erziehung ist Beispiel und Liebe – sonst nichts.“

Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782 – 1852), deutscher Pädagoge

IMG_20180603_184825

Schrebergarten – spießig oder ein Ort des Glücks?

Vor einigen Jahren war ich schon einmal stolze Schrebergärtnerin. Jedoch hielt dort das Glück nicht lange an. Schnell wurden mir maßgeschneiderte Regeln aufdiktiert und das ich mehr auf ein „sauberes“ Gartenbild achten solle. Damals fehlte mir schlichtweg die Muse und der Tatendrang aus diesem kleinen Fleckchen Erde, etwas wundervolles zu zaubern. Am meisten nervte mich die im Vorstand verbissenen männlichen Vorzeige Gärtner. Mit verkniffenen Augen zogen sie stillschweigend an meinem eher locker gestalteten Garten vorbei. Ein nettes Miteinander gab es dort nicht. Nach gut 2 Jahren gab ich das Gärtnerleben auf. Für immer?

Natürlich nicht! Als meine kleine Tochter geboren wurde, ergriff mich nochmals die glühende Idee, ein kleines, grünes Fleckchen Erde für uns zu pachten. Ich musste auch nicht lange suchen. Zwischen Kühen und Weizenfeldern fanden wir eine wunderhübsche Gartenanlage. Große Gärten, sicher umrandet von Feldern, gab dem ganzen einen friedlich, anmutenden Charme. In unserem Garten thronen sogar 2 Fichten. ( Nadelgehölze sind sonst verboten in Kleingärten), aber hier ist Alles anders.  Kurz musste ich mich  der männlichen Skepsis stellen. Sie konnten sich kaum vorstellen, das eine Alleinstehende Frau, so einen großen Garten bewältigen kann.  Nun, sie kannten mich eben noch nicht. So sei ihnen verziehen. Mittlerweile habe ich eine ganze Menge geschaffen. Ein kleines Kräuterbeet lädt zum naschen ein, die Buddhafigur, als roter Faden in unserer Wohlfühloase, erste Gemüsepflanzen wachsen auf dem frisch umgegrabenen „Acker“, … . Stück für Stück kann ich hier meine wilden Ideen umsetzen, ohne das mich Jemand ständig mit Regeln ausbremst. Wundervoll. Allein der Baumarkt ist für mich ein neues Paradies geworden. Jedes mal wenn ich dort bin, entstehen neue Ideen für den Garten. Ich sollte mir eventuell doch eine Mitgliedskarte holen. Es lohnt sich.

Ist ein Schrebergarten nun spießig? Kommt ganz auf den Gärtner, die Gärtnerin an. So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich kann auch ein Garten gestaltet und genutzt werden. Es gibt Regeln, an die man sich halten muss. Ansonsten verliert die Anlage das Anrecht ein „Kleingartenverein“ zu sein und bekommt somit auch keine Fördermittel mehr. Wie diese Regeln allerdings umgesetzt werden, obliegt ganz allein dem Jeweiligen Vorstand. Ich konnte beide Seiten Kennenlernen und bevorzuge die „respektvoll/wertschätzende“. Soll heißen, das Jeder im Rahmen der vorgegebenen Regeln, sich nach seinen Vorstellungen im Garten verwirklichen kann. Ich erfreue mich auch an den akkuraten Beeten, welche mit buntem Gemüse mich saftig anlächeln, jedoch wird mein Garten nie so aussehen. Ich liebe die kleinen verzauberten Ecken, bunt und voller Überraschungen. Unzählig kleine Projekte, welche sich dann zu einem Gesamtkunstwerk zusammensetzen. Umrandet wird dieser Zaubergarten mit Kräutern, Gemüse und süßem Obst zum naschen.

So ist es egal, ob ein Garten „spießig“ ist oder nicht, viel wichtiger erscheint mir, wie glücklich er den Pächter/die Pächterin macht.

Ich bin sehr glücklich.

IMG_20180611_174525

 

Das Dilemma mit den Krippenplätzen und wie es doch noch eine gute Lösung gab.

Wenn man in Leipzig wohnt und ein Baby bekommen hat, ist man zu aller erst mit puren Glück erfüllt. Zumindest wirkte in mir dieses Gefühl. Ein ganzes Jahr Elternzeit konnte ich nun mit meinem kleinen Wunder geniessen. Doch kurze Zeit später musste ich leider aus meiner wollig warmen Seifenblase heraus und für die Zukunft planen. Über die ganzen Anträge schreibe ich heute nicht, in diesem Artikel soll es um die Krippenplatzsituation gehen.

Es wird suggeriert, das sich in Leipzig, aufgrund des Elternportals, intensiv um einen Krippenplatz gekümmert wird. Ich meldete mich mit meinem unschlagbaren Optimismus an. Ich bekam eine Referenznummer und durfte mir sogar 5 Wunschkitas heraussuchen. Dies tat ich bereits im Juli 2017. Danach war Funkstille. Ausruhen darf man sich also nicht. Ich telefonierte, besuchte die Kitas, stellte mich und meine Tochter brav vor, kam auf Wartelisten und dies war von nun an der große Tenor: „Warten“. Versteht mich nicht falsch, ich bin sehr gerne Mutter, aber ich definiere mich nicht einzig und allein über diese Rolle. Ich möchte auch wieder Arbeitnehmerin sein. Im August 2018 soll es wieder los gehen. Da meine Tochter auch noch Eingewöhnt werden möchte, brauche ich dringend einen Platz ab Juli 2018. Mit dieser Dringlichkeit ging ich forschen Schrittes zum Amt. Frustriert wurde ich  auf dem Boden der sächsischen Tatsachen geholt. Sie könnten mir nicht wirklich weiterhelfen. Verantwortlich für die Platzvergabe seien die Einrichtungen selbst und diese haben gerade damit zu tun, ihre Plätze an die Familien zu vergeben, welche bereits Klage eingereicht haben. So soll ich jetzt Klage einreichen, um schneller an einen Platz zu kommen? Was für ein Dilemma. Nebenbei erzählten mir noch Muttis beim Babyschwimmen, wie sie endlich, aufgrund von „Vitaminb D“ und nach etlich verweinten Nächten, einen Krippenplatz bekommen haben. Mir wurde zusehens schlechter. Mein Optimismus sank täglich. An eine Tagesmutti hatte ich bis dahin noch gar nicht gedacht, da die Betreuungszeiten mit meinen Arbeitszeiten im Konflikt stehen. Doch die Not macht erfinderisch. Ich bin absolut Dankbar, das Klara einen Papa hat, der auch tatsächlich Papa sein möchte. Gemeinsam mit ihm habe ich jetzt beschlossen, doch eine Tagesmutti in betracht zu ziehen. Wir besuchten sie und bei Einigen war mir sehr mulmig zumute. Die Vorteile einer Tagesmutti liegen auf der Hand. Es ist eine kleine Gruppe, die Kinder haben eine Vertrauensperson und sind in einer Familienähnlichen Situation gut aufgehoben. Gerade in den ersten Lebensjahren sogar besser für das Kind, als in einer großen Einrichtung. Die Herausforderung besteht darin, eine gute Tagesmutti zu finden. Was bedeutet „Gut“ für mich? Mir ist es wichtig, das ich schon beim ersten Kennenlernen spüre, das sie gerne ihre Arbeit macht. Das gelebt wird und die Kinder einen sicheren, liebevollen Hafen bei ihr haben. Sie sollte liebevoll sein und eine Prise Lebenshumor in sich tragen. Und genau so eine Tagesmutti habe ich zum Glück gefunden. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge und ist erfrischend, liebevoll und kümmert sich rührend um die Kleinen. Ende Juli geht nun meine Tochter zu ihr. Wir freuen uns sehr. Wir hatten Glück. Dennoch ist die Situation in Leipzig erschreckend. Einerseits besteht Anspruch auf einen Betreuungsplatz, doch auf der anderen Seite stehen nicht genügend Plätze zur Verfügung. ErzieherInnen fehlen überall. Woran liegt dies? Bis unsere Tochter 3 Jahre wird, sind wir nun „gut versorgt“, aber was geschieht danach? Das große Suchen und Warten geht weiter.

Seid Willkommen …

IMG_20180518_162015Ihr Lieben,

zurück zu meiner Passion, dem Schreiben. Zukünftig findet ihr hier (hoffentlich) inspirierende, erheiternde, nachdenkliche Texte und Videos. Themen? Da gibt es keine Grenzen, denn im Laufe meines Reifungsprozesses musste ich feststellen, das wir Menschen zu viele Grenzen errichtet haben. Ob im Kopf oder „Anfassbar“, sie stören und hindern am Wachstum. Deshalb lasst uns hier einen Grenzfreien Raum erschaffen. Seid meine Gäste und „Miterschaffer“ eines wunderbaren Ortes.